Die Ernährung gestillter Kleinkinder

August 4, 2011. Posted in: German

English

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Deutsch von Cordula Kolarik (e-mail: klein-kolarik@t-online.de)
Aus: Rundbrief. Die Fachzeitschrift der AFS, Ausgabe 3/2002.
Homepage der AFS: www.afs-stillen.de

Bei den meisten Informationen, die man zur Ernährung von Kleinkindern findet, wird davon ausgegangen, dass das Kind nicht mehr gestillt wird und hauptsächlich feste Nahrung zu sich nimmt. Daher haben viele Mütter gestillter Kleinkinder (vor allem derjenigen, die noch nicht viel feste Nahrung essen) eine Menge Fragen dazu, wie sie diese Ratschläge dem Bedarf ihres Kindes anpassen sollen.

Einleitung

Im zweiten Lebensjahr k�nnen Sie Ihr Kind genauso oft stillen wie im ersten Jahr, doch sollten Sie mehrmals t�glich feste Nahrung anbieten. Nach dem ersten Geburtstag k�nnen Sie feste Nahrung vor dem Stillen anbieten, statt dessen oder danach. Ihre Milch ist noch immer ein wichtiger Bestandteil der Ern�hrung Ihres Babys und kommt ihm in vielerlei Hinsicht zugute (ern�hrungsphysiologisch, immunologisch und emotional). Es gibt keine “empfohlene Anzahl t�glicher Stillmahlzeiten” f�r ein Kleinkind. Manche Kleinkinder stillen nur ein- oder zweimal am Tag, w�hrend andere immer noch gerne sehr viel Zeit an der Brust verbringen. Wenn Ihr Baby allm�hlich mehr feste Nahrung zu sich nimmt, gleicht Ihre Milch m�gliche Ern�hrungsl�cken ideal aus. Sobald Sie seltener stillen, sollten Sie verst�rkt darauf achten, dass Ihr Kind mehrere nahrhafte Mahlzeiten am Tag zu sich nimmt.

Kuhmilch?

Vielen stillenden M�ttern wird gesagt, sie m�ssten Kuhmilch einf�hren, wenn ihr Kind ein Jahr alt sei. Ihr gestilltes Kleinkind bekommt bereits die beste Milch, die es bekommen kann – Muttermilch! Muttermilch hat einen h�heren Fettgehalt als Kuhmilch (wichtig f�r das Gehirnwachstum des Babys), und die Bioverf�gbarkeit ist bei allen in der Muttermilch enthaltenen N�hrstoffen bedeutend h�her als in Kuhmilch, weil Milch artspezifisch ist (ganz zu schweigen von all den Bestandteilen der Muttermilch, die in Kuhmilch gar nicht enthalten sind).

Es besteht keine Notwendigkeit f�r Kuhmilch oder Ersatzprodukte (wie Ziegenmilch, Sojamilch usw.), solange Ihr Baby zwei- bis dreimal t�glich gestillt wird. Kuhmilch ist einfach nur eine praktische Quelle von Calcium, Eiwei�, Fett, Vitamin D etc. – notwendig ist sie nicht. Es gibt viele Menschen in vielen Teilen der Welt, die keine Milch trinken und dennoch genug Calcium, Eiwei�, Fett, Vitamin D usw. zu sich nehmen.

  • Gute Eiwei�lieferanten sind Fleisch, Fisch, H�lsenfr�chte (Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Linsen usw.), Tofu und andere Sojaprodukte, gekochte Eier, N�sse, Erdnussbutter (wenn Ihr Kind nicht allergisch veranlagt ist).
  • Gute Fettlieferanten sind Soja- und Distel�l, Leinsamen und Leinsamen�l, Waln�sse, Fisch und Fisch�l, Avocado. Beim Kochen oder Backen kann man oft �l verwenden, beispielsweise in Distel�l d�nsten oder Mini-Muffins mit Soja- oder Reismilch, �l oder Butter und Eiern zubereiten.
  • Nicht nur Milchprodukte, sondern auch viele andere Lebensmittel enthalten reichlich Calcium: Dunkelgr�ne Gem�sesorten wie Brokkoli und Spinat, Petersilie, Tofu und andere Sojaprodukte, H�lsenfr�chte, N�sse und Samen (Sesam, Sonnenblumenkerne, Mandeln, Haseln�sse, Cashews, Waln�sse), Algen, Getreide (Tapioka, Quinoa).
  • Wenn Ihr Kind nicht mehr regelm��ig stillt und nicht allergisch auf Kuhmilchprodukte reagiert, sondern einfach nur keine Kuhmilch mag, k�nnen Sie anderweitig Milchprodukte in seine Ern�hrung einbauen. Viele Kinder m�gen K�se, Vollmilchjoghurt oder Eis. Sie k�nnen auch Milch bei der Zubereitung verschiedener Gerichte verwenden: Pfannkuchen, Waffeln, Muffins, R�hreier, Kartoffelp�ree und Backwaren.
  • Manche M�tter m�chten ihrem Kleinkind Kuhmilch anbieten, aber das Kind mag sie nicht. Nach dem ersten Lebensjahr ist Milch f�r die Ern�hrung eines Kindes nicht mehr so wichtig. Manchmal hilft es, wenn man immer gr��ere Mengen Kuhmilch mit Ihrer ausgedr�ckten Muttermilch vermischt, damit sich das Kind an den Geschmack gew�hnt. Viele Ern�hrungsexperten halten es f�r unbedenklich, der Kuhmilch Geschmacksstoffe (z.B. Erdbeer oder Schokolade) beizumischen.

Kinder�rzte empfehlen inzwischen, dass man, wenn man Kuhmilch anbietet, seinem Kind vom ersten bis mindestens zum zweiten Geburtstag nur Vollmilch aus einem Becher gibt. Dadurch erh�lt Ihr Kind genug Fett, was wichtig f�r eine gute Gehirnentwicklung ist. Nach dem zweiten Geburtstag kann man, wenn das Kind gut w�chst, zu fettarmer oder fettfreier Milch �bergehen. Die Menge an Kuhmilch, die Ihr Kind trinkt, sollten Sie auf 500 bis 700 ml t�glich beschr�nken, da zuviel Kuhmilch zu einer Eisenmangelan�mie f�hren kann (da Milch die Aufnahme von Eisen behindern kann) und den Appetit des Kindes auf andere Lebensmittel bremsen kann.

Wieviel sollte mein Kleinkind essen?

Zwischen dem ersten und dem f�nften Geburtstag befindet sich das Kind in einem Zustand verlangsamten Wachstums. Dadurch nimmt auch der Kalorienbedarf ab, so dass die Menge der t�glich aufgenommenen Nahrung geringer ist. Zu dem verlangsamten Wachstum kommt ein steigendes Bed�rfnis nach Unabh�ngigkeit, welches die Bandbreite an Lebensmitteln, die ihr Kind essen will, einschr�nkt (“w�hlerischer Esser”). Seien Sie beruhigt – aufgrund dieser Verlangsamung des Wachstums brauchen Kleinkinder nicht soviel Nahrung, wie Sie vielleicht denken. Drei kleine Mahlzeiten und zwei Imbisse pro Tag (und manche essen deutlich weniger) spenden wahrscheinlich selbst dem aktivsten Kleinkind genug Energie. Bitte seien Sie sich auch dar�ber im Klaren, dass w�hlerische Esser eher die Regel als die Ausnahme sind.

Manche Kleinkinder nehmen mit zw�lf Monaten nur sehr wenig oder noch gar keine feste Nahrung zu sich. Das ist nicht ungew�hnlich und von Kind zu Kind verschieden – in dem Punkt gibt es gro�e Unterschiede. W�hrend der ersten zw�lf Monate sollte Muttermilch den Gro�teil (�ber 50 Prozent) der Ern�hrung eines Babys ausmachen. Mit zw�lf Monaten nehmen manche Babys schon eine Menge fester Nahrung zu sich, w�hrend andere noch voll oder fast voll gestillt werden. F�r manche Babys bleibt Muttermilch der Hauptbestandteil ihrer Ern�hrung, bis sie achtzehn Monate oder sogar noch �lter sind.

Bei manchen Babys dauert es etwas l�nger, bis sie anfangen, feste Nahrung in gr��eren Mengen zu sich zu nehmen. Manche von reagieren empfindlich auf einige Nahrungsmittel, und auf diese Weise sch�tzt ihr K�rper sie vielleicht, bis ihr Verdauungssystem mit mehr zurechtkommt. Andere bekommen erst sp�t Z�hne oder haben sehr mit Zahnungsschmerzen zu k�mpfen. Zu diesem Zeitpunkt enth�lt Ihre Milch alles, was ihr Kind braucht, m�glicherweise mit der Ausnahme von gen�gend Eisen. Solange sich seine Eisenwerte in einem akzeptablen Rahmen bewegen und Sie ihm, wenn es etwas isst, Lebensmittel anbieten, die von Natur aus viel Eisen enthalten, haben Sie noch viel Zeit, bis Sie sich wegen der Menge fester Nahrung, die es zu sich nimmt, Sorgen zu machen brauchen.

Alles, was Sie tun m�ssen, ist, immer wieder Nahrung anzubieten. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Kind kein Interesse zeigt oder nur winzige Mengen isst. Ihre einzige wahre Verantwortung besteht darin, was Sie anbieten, wann Sie es anbieten und wie Sie es anbieten – nicht, ob Ihr Kind es isst oder nicht. Das muss ihm selbst �berlassen sein. Der Versuch, Ihr Kind zum Essen zu zwingen oder zu �berreden, ist nie empfehlenswert. Stillen Sie weiterhin nach Bedarf, tags�ber und nachts, und vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind mehr feste Nahrung zu sich nehmen wird, wenn es bereit dazu ist. Wenn das Baby allm�hlich mehr feste Nahrung isst, wird Ihre Milch m�gliche Ern�hrungsl�cken gut ausgleichen.

Durchschnittliches Wachstum von Kleinkindern

Ein paar Dinge, an denen man erkennen kann, ob Ihr Kind gut ern�hrt ist:

  • Wachstum: nicht notwendigerweise auf einer Kurve, aber Ihr Kind sollte an L�nge und Gewicht zunehmen
  • wichtige Entwicklungsschritte werden ungef�hr altersgerecht erreicht
  • Aktivit�tsniveau: munter, fr�hlich, aktiv

Ich fand es immer schwierig, Informationen �ber das durchschnittliche Wachstum von Kleinkindern zu finden, also habe ich mir die Wachstumstabellen der Centers for Disease Control and Prevention angesehen. (Anmerkung: Diese Zahlen sind nicht speziell f�r Stillkinder; sie sind den Wachstumstabellen f�r alle Kinder entnommen.)

Alter
Durchschnittliche Gewichtszunahme
12 – 18 Monate
200 – 310 g pro Monat
18 – 24 Monate
150 – 230 g pro Monat
24 – 36 Monate
115 – 230 g pro Monat
Quelle: Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Health Statistics. CDC growth charts: USA, 30. Mai 2000.

Alter
Durschnittliches Längenwachstum
12 – 36 Monate
0,8 – 1 cm pro Monat
Quelle: Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Health Statistics. CDC growth charts: USA, 30. Mai 2000.

Essvorschl�ge f�r Kleinkinder

Lebensmittel, die man aus der Hand essen kann, sind sehr geeignet f�r Kleinkinder. Ihr Kind wird jedoch auch allm�hlich lernen, mit einem L�ffel und einer Gabel selbst zu essen. Viele Babys essen lieber Dinge, die sie selbst aufspie�en oder in die Hand nehmen k�nnen, als Lebensmittel, die man ihnen mit dem L�ffel geben muss. Eine Menge Babys zieht Essen vom Familientisch den fad schmeckenden Baby-Lebensmitteln vor.

Nach dem ersten Geburtstag k�nnen Sie Ihrem Kind Lebensmittel anbieten, die Sie ihm bisher lieber nicht gegeben haben (Kuhmilch, Zitrusfr�chte, Eiklar), allerdings sollten Sie weiterhin auf eventuelle allergische Reaktionen achten. Auch wenn Sie inzwischen mehr Nahrungsmittel anbieten k�nnen, ist die Gefahr des Verschluckens noch immer gegeben. Lassen Sie Ihr Kleinkind daher nicht unbeaufsichtigt essen und vermeiden Sie weiterhin Lebensmittel wie Popcorn, harte Bonbons, Hot Dogs, Weingummi, M�hrenst�ckchen, Trauben, Rosinen und N�sse. Schneiden Sie solche Lebensmittel durch oder hacken Sie sie, oder warten Sie einfach, bis Ihr Baby �lter wird.

Sie sollten Ihrem Kleinkind eine Vielzahl von Lebensmitteln anbieten. Es kann die gleichen Dinge essen wie der Rest der Familie. Nahrungsmittel, die reich an Eiwei�, Calcium und Eisen sind, sowie Obst und Gem�se, Brot usw. sollten t�glich angeboten werden. Servieren Sie so gesunde Lebensmittel wie m�glich, doch erwarten Sie von Ihrem Kleinkind nicht, bei jeder Mahlzeit viel zu essen. Wenn man Kindern nahrhafte Mahlzeiten und Imbisse anbietet und sie davon essen l�sst, was sie wollen, ern�hren sich die meisten vollwertig, wenn man ihr Essverhalten �ber mehrere Tage oder sogar eine Woche ber�cksichtigt. Ihr Kind sollte sich nicht an Snacks satt essen, die nur leere Kalorien enthalten, aber Sie sollten es auch nicht zum Essen zwingen.

Viele Kleinkinder essen besser, wenn ihnen den ganzen Tag �ber etwas zu essen zur Verf�gung steht und nicht nur zu ein paar festgelegten Zeiten. Bieten Sie ihrem Kleinkind einfach den ganzen Tag �ber n�hrstoffreiche H�ppchen an (kleingeschnittenes Gem�se, mundgerechte Obstst�ckchen, hartgekochte Eischeiben, Joghurt, Vollkornbrot und Getreideflocken, K�se) und lassen Sie es essen, was es m�chte. Manche Eltern haben gute Erfahrungen mit einem “Knabbertablett ” gemacht, wie Dr. William Sears es vorschl�gt: Man f�llt einen Eisw�rfelbeh�lter, ein Muffinblech o.�. mit verschiedenen Arten gesunder Lebensmittel und stellt es dem Kleinkind hin, so dass es den ganzen Tag �ber davon naschen kann.

Hier sind die aktuellen Lebensmittelpyramide-Empfehlungen f�r Vorschulkinder (2-6 Jahre), die das amerikanische Landwirtschaftsministerium herausgegeben hat. Die Portionen sind f�r vier- bis sechsj�hrige Kinder gedacht. Zwei- bis Dreij�hrige brauchen genauso viele, aber vielleicht kleinere Portionen als Vier- bis Sechsj�hrige: ungef�hr 2/3 einer Portion.

  • Getreidegruppe: 6 Portionen (Eine Portion entspricht zum Beispiel einer Scheibe Brot, 120 ml gekochtem Reis oder Nudeln, 120 ml gekochtem Getreidebrei, 30 g Getreideflocken.)
  • Gem�segruppe: 3 Portionen (Eine Portion entspricht zum Beispiel 120 ml gehacktem rohen oder gekochten Gem�se oder 240 ml rohem Blattgem�se.)
  • Obstgruppe: 2 Portionen (Eine Portion entspricht zum Beispiel einem St�ck Obst oder einer Scheibe Melone, 180 ml Saft, 120 ml Dosenobst, 60 ml Trockenobst.)
  • Milchgruppe: 2 Portionen (Eine Portion entspricht zum Beispiel 240 ml Milch oder Joghurt, 60 g K�se)
  • Fleischgruppe: 2 Portionen (Eine Portion entspricht zum Beispiel 60-80 g gekochtem mageren Fleisch, Gefl�gel oder Fisch, 120 ml gekochten getrockneten Bohnen. Ein Ei entspricht 30 g magerem Fleisch, 2 Essl�ffel Erdnussbutter entsprechen 30 g Fleisch.)
  • Fette und S��igkeiten: Schr�nken Sie die Kalorienzufuhr daraus ein.

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